Manche Untote sind einfach schrecklicher als andere

Jeder gute, d.h. kompetente, Nekromant weiß, dass Untoter nicht gleich Untoter ist und manchmal sehen sich selbst Nekromanten mit Untoten konfrontiert, die selbst nach ihren Maßstäben entsetzlich sind, was uns zu folgender Szene bringt (ein kleiner Auszug aus Das Obsidiantor, der hoffentlich gefällt).

Von einem Augenblick zum nächsten wehte eine kalte Sturmböe über das Schlachtfeld und Hecho wusste, das es kein natürlicher Wind sein konnte. Sein Atem zeichnete sich vor seinem Gesicht ab, und er begann zu zittern. Die Kälte der schwarzen Schluchten verbreitete sich auf dem Schlachtfeld. Er sah in die Richtung aus der der Wind wehte, doch dieser war so scharf, dass Hecho die Augen schließen musste. Dann wurde der Schlachtenlärm noch lauter als irgendwo vor ihm eine weitere Streitmacht in den Kampf eingriff. Der folgende Jubel der Verbündeten sagte ihm, dass auch diese Neuankömmlinge Feinde des Propheten waren.

Der Jubel hielt jedoch nicht lange an, denn wer immer da kämpfte, scherte sich wenig um die, die unter ihren Waffen fielen. Schon bald hatte diese Streitmacht einen Keil zwischen die Verbündeten und die Krieger Aochas getrieben. Die Verbündeten zogen sich vor der schwarzen Kälte zurück, während die seltsame Streitmacht es mit beiden Kriegshaufen Aochas aufnahm.

Hecho beobachtete fast so entsetzt wie fasziniert, dass die neue Streitmacht ebenfalls aus Leichnamen bestand. Aber es waren untote Krieger einer Art, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Ihre Haut war von schwarzen Adern durchzogen und anstelle eines Gesichts hatten sie nur eine einzige Fläche aus Dunkelkeit. Einen Gegener ohne Gesicht zu bekämpfen war selbst für viele der fanatisierten, aufgepeitschen Aochakrieger mehr als sie ertrugen. Viele versuchten zu fliehen aber kaum einem gelang es. Wen diese gesichtslosen Kadaver niederstreckten, der erhob sich sogleich wieder an deren Seite und kämpfte mit ihnen. Die Krieger Aochas hatten nie ein Chance. Jeder der Gesichtslosen konnte es mit dreien der ihren aufnehmen und erschuf zugleich neue Kadaver, denen sich die roten Krieger entgegen stellen mussten. Der Kampf war schon bald zu Ende und die Verbündeten sahen sich einer Streitmacht Kadaver gegenüber, deren Macht sie nicht einschätzen konnten. Doch diese Kadaver standen jetzt nur da und griffen nicht an.

„Was sind das für Kreaturen, Nekromant?“ flüsterte König Deresnatil zu Hecho, doch der alte Nekromant schüttelte nur den Kopf, er wusste die Antwort selbst nicht. Dann teilte sich die seltsame Streitmacht und ein Mensch schritt heraus. Sein Körper war von Zeichen bedeckt, die Hecho nur in den finstersten Visionen von den Schluchten zwischen der Welt der Lebenden und der Toten gesehen hatte. Wer immer dieser Nekromant war, er war weiter gegangen, als ein Lebender dies hätte tun sollen und als er näher schritt erkannte Hecho, dass es Melcha war.

„Melcha mein Freund, was hast du getan?“ flüsterte der Nekromant, mehr zu sich selbst als zu seinem Freund.

„Ich habe getan, was nötig ist.“ antwortete Melcha. „Ich stelle dem roten Tod einen mächtigeren Tod gegenüber, an dem er zerschellen soll.“ seine Stimme war ebenso kalt, wie der unnatürliche Wind, der von seiner Streitmacht zu den verbündeten wehte.

faceless undead monstrocity

 

Artwork © Otto Lehtonen
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